Mädchen und Frauen aus Kempen machen sich stark!

Mädchen und Frauen aus Kempen machen sich stark!

Effektiver Selbstschutz besteht zu 90 % aus Prävention – und zu 10 % aus Konfrontation!

 
Kempen – Am 30. Januar 2016 erfuhren junge Mädchen und Frauen beim Selbstschutz-Seminar der Kampfkunst- & Charakterschule Richter, wie sie sich bereits im Vorfeld vor Übergriffen schützen und welche kleinen Tricks ausreichen, um sich genügend Luft für eine Flucht zu verschaffen.

Spätestens seit den Silvester-Übergriffen in Köln sind viele Menschen verunsichert. Auf der Suche nach dem Gefühl der Sicherheit greifen sie zunehmend auf Hilfsmittel wie Pfefferspray zurück, die ihnen im Ernstfall eher schaden als nützen – z. B. wenn der Wind ungünstig steht. „Aufmerksamkeit ist das Wichtigste“, erklärt Andrea Schnell, Inhaberin der Kampfkunst- & Charakterschule Richter in Kempen. „Wir müssen wieder lernen, Gefahrensituationen frühzeitig einzuschätzen, statt uns nur auf uns oder das Smartphone in unseren Händen zu konzentrieren und blind durch die Straßen zu laufen.“

Das richtige Verhalten auf dem Parkplatz, an der Haustüre, im Aufzug und in öffentlichen Gebäuden kann wirkungsvoll vor Angriffen schützen. Auch sollte Frau nicht davor zurückschrecken, in die Trickkiste zu greifen: „Bitte keine hübsche Plüschdeko im Auto und auch keine Schminke auf dem Beifahrersitz“, rät Schnell. Ein Frauenauto sollte nicht direkt als Frauenauto zu erkennen sein, ansonsten könnte der Täter nachts auf dem Parkplatz des Tanzclubs bereits auf sein weibliches Opfer lauern. „Papas Krawatte auf dem Beifahrersitz oder ein Automagazin auf dem Rücksitz schreckt oft ab. Frei nach dem Motto: Achtung, Mann fährt mit!“

Ein weiterer Faktor sei das eigene Auftreten: „Täter suchen sich ihre Opfer bewusst aus“, erklärt die erfahrene Kampfkunstmeisterin. „Wer mit gesenktem Blick und hängenden Schultern umhergeht, erweckt eher den Eindruck der Hilflosigkeit als die Frau mit selbstbewusstem Gang. Ein Angreifer wünscht sich in der Regel ein leichtes Spiel, keine Gegenwehr.“

In kleinen Rollenspielen setzten sich die Seminarteilnehmerinnen mit typischen Situationen auseinander: Handgreiflichkeiten, Verfolgungen bis hin zum Versuch einer Vergewaltigung. Einige Mädchen wussten bereits von persönlichen Erfahrungen zu berichten: Mobbing an Schulen, aufdringliche Jungs. Dabei gaben sie zu, sich nur wenig gewehrt zu haben. „Das ist nicht überraschend“, meint Schnell. „Nur ein Drittel der Frauen, die angegriffen werden, überwinden ihre Hemmschwelle und wehren sich.“

Von Selbstverteidigungsseminaren, die versprechen, effektive Techniken in wenigen Einheiten zu vermitteln, rät sie allerdings ab: „Selbstverteidigung“, so sagt sie, „kann nur über Jahre erlernt werden. Die Abläufe müssen vom Kopf in den Körper übergehen, um im Notfall auch tatsächlich abrufbar zu sein.“


Pressemeldung erschienen …
✎ am 18. Mai 2016 als ausführlicher Bericht in der Westdeutschen Zeitung (WZ)