Die U-Bahn-Attacke von Neu-Kölln

Die U-Bahn-Attacke von Neu-Kölln

Die Nachrichten zeigen es, bei facebook läuft es hoch und runter – ganz Deutschland ist ein weiteres Mal zutiefst erschüttert. Das erst kürzlich veröffentlichte Video der Polizei Friedrichshain zeigt eine eiskalte Gleichgültigkeit gepaart mit gelangweilter Aggressivität, die wirklich extrem beängstigend ist. Wir sind geschockt, wir sind wütend – und wo immer Furcht und Zorn Hand in Hand gehen, tun sich Fragen auf: Warum hat dieser Mann die 26-jährige Frau von der Treppe gestoßen. Warum ausgerechnet sie, was hat sie getan? Weshalb hält die Polizei das Video geschlagene sechs Wochen zurück? Können die Täter überhaupt noch gefasst werden – und selbst wenn, inwieweit werden sie sich überhaupt verantworten müssen?

Viele Fragen treiben uns dieser Tage also wieder um – ganz egal, ob wir in Neu-Kölln, Hamburg oder München leben. Es sind durchaus berechtigte Fragen, doch als Kampfkunstschule beschäftigt uns vor allem die eine Frage:

Was können wir tun, um uns vor solch hinterhältigen Angriffen zu schützen?

 
Die Antwort ist erschreckend simpel: NICHTS!

Kampfkunst, Selbstverteidigung – all diese Dinge setzen voraus, dass wir uns eines Angriffs bewusst sind. Sie setzen voraus, dass wir zumindest den Hauch einer Chance haben, uns wehren zu dürfen. Es ist und bleibt durchaus sinnvoll, in einer Kampfkunst – beispielsweise das Hu Chuan Pai Kung-Fu der Kampfkunst- & Charakterschule Richter in Kempen – zu lernen, wie wir

✔ Angriffe überlegener Gegner
✔ Messerattacken
✔ Angriffe mehrerer Gegner zugleich
✔ und sonstige Gefahrensituationen

abwehren. Es ist und bleibt durchaus sinnvoll, Zeit in die Selbstverteidigung Kempen zu investieren, damit die Techniken in den Körper übergehen und im Notfall automatisiert abgespult werden können. Dennoch müssen wir an dieser Stelle sagen: Selbst die beste Kampfkunst hätte dieser Frau in dieser Situation nicht helfen können (zweifelhafte Hilfsmittel wie Pfefferspray, Elektroschocker und Co. übrigens auch nicht).

Erst Selbstschutz, dann Selbstverteidigung

 
Wir haben uns zusammengesetzt und die Frage diskutiert: Was würden wir unseren Schülern raten? Was bleibt noch, wenn die Selbstverteidigung an ihre Grenzen stößt?

Im Folgenden möchten wir – bitte nicht falsch verstehen – keine Kritik an dem Opfer üben oder mit dem erhobenen Zeigefinger winken. Wir möchten lediglich Tipps und Ratschläge geben, damit wir uns nicht der Angst hingeben und resignieren, sondern in Zukunft auch mit solch kaltblütigen Angriffen rechnen. Selbstschutz ist das Schlagwort, das wir bei uns in der Kampfkunst- & Charakterschule Richter | Kempen immer wieder gerne verwenden.

Unter Selbstschutz verstehen wir keine gezielten Abwehrtechniken im Falle eines Angriffs. Es geht uns vielmehr um die Zeit davor. Es geht darum, Gefahrensituationen zu erkennen und sie – im besten Falle – zu umschiffen. Nach Betrachtung des Videos bitten wir Sie eindringlich:

✎ Lassen Sie die Kapuze, den Schal etc. unten. Sie berauben sich eines wesentlichen Teils Ihres Sichtfelds und schränken auch das Hörvermögen ein.

✎ Schauen Sie sich häufiger um. Sie sollten wissen, was sich gerade hinter Ihnen abspielt – insbesondere wenn Sie sich in der Nähe von Bahngleisen, vielbefahrenen Straßen oder auf Treppen befinden.

✎ Schauen Sie auch voraus, d. h. lassen Sie Ihr Smartphone in der Tasche, verzichten Sie auf Kopfhörer. Nur so erkennen Sie gefährliche Situationen, z. B. eine Gruppe betrunkener Männer. Auf dem Video ist deutlich zu sehen, dass die Angreifer Bierflaschen dabei hatten – sollten Sie in eine ähnliche Situation geraten, warten Sie! Warten Sie, bis die Männer verschwunden sind, damit Sie unbehelligt zur U-Bahn hinabsteigen können! Sie verpassen Ihre Bahn? Sei’s drum! Wechseln Sie die Straßenseite, kehren Sie um. Laufen Sie nicht mitten in die Gefahr hinein!

Die Hemmschwelle zu Gewalttaten scheint immer niedriger zu werden – gleichzeitig steigt der Grad an Aggressivität und Kaltschnäuzigkeit. Wir müssen lernen, mit mehr Aufmerksamkeit durchs Leben zu gehen. Wir müssen aufhören, uns durch Handys und Knopf im Ohr von der Außenwelt abzukapseln. Das ist leider die einzige, aber umso wichtigere Botschaft, die wir Ihnen nach dieser Schreckenstat mit auf den Weg geben können.

Sachdienliche Hinweise zur Tat bitte an:

 
✔ Kriminalpolizei
Friesenstraße 16 in Kreuzberg
Telefonnummer 030 4664 – 571100

✔ oder jede andere Polizeidienststelle