Der Grapscher-Paragraph § 184i StGB

Der Grapscher-Paragraph § 184i StGB

Wahrscheinlich kann sich noch jeder gut an die Silvesternacht 2015/2016 erinnern: Die Feierlaune auf der Kölner Domplatte wurde durch aggressive Übergriffe und sexuelle Belästigungen mehr als nur getrübt. Doch endlich erkannte auch die Politik die Ernsthaftigkeit dieser Problematik – die Debatten rund um die Silvesternacht resultierten in einer drastischen Verschärfung des Sexualstrafrechts. Am 4. November 2016 trat der sogenannte „Grapscher-Paragraph“ in Kraft. Da diese Neuerung leider noch weitestgehend unbekannt ist, erläutern wir im Folgenden kurz Inhalte und Bedeutung:

Der „Grapscher-Paragraph“ § 184i Strafgesetzbuch besagt ➧➧➧

➀ Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn nicht die Tat in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

➁ In besonders schweren Fällen ist die Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

➂ Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Was bedeutet das nun für die Opfer?

Der Grapscher-Paragraph zielt auf eine Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung von Männern und Frauen, Jungs und Mädchen ab. Er stellt jede körperliche Berührung, die in sexueller Art und Weise erfolgt, unter Strafe. Schon Busen- und Po-Grapscher, ungewollte Küsse können eine zweijährige Haftstrafe nach sich ziehen.

Straferhärtend wirken sich sexuelle Übergriffe aus, die von Gruppen ab zwei Personen ausgehen. Dann kann aus einer Anklage wegen sexueller Nötigung schnell eine Anklage wegen Vergewaltigung werden. Ein Beispiel: Zwei Frauen fassen einem Mann ans Gemächt – hier ist eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren möglich.

Wichtig: In der Regel werden nur die Taten verfolgt, die von dem Opfer zur Anzeige gebracht werden.